Monografie zu Tamiflu
Eigenschaften:
Oseltamivir ist ein Prodrug des aktiven Metaboliten (Oseltamivircarboxylat). Der aktive Metabolit ist ein selektiver
Inhibitor der Neuraminidasen von Influenzaviren. Neuraminidasen sind Glykoproteine, die auf der Oberfläche des Virions lokalisiert sind. Die enzymatische Aktivität der viralen Neuraminidasen ist entscheidend für die Freisetzung von neu gebildeten Viruspartikeln aus infizierten Zellen und für die weitere Verbreitung infektiöser Viren im Körper. Oseltamivircarboxylat hemmt Influenza A- und B-Neuraminidasen in vitro. Oral gegebenes Oseltamivir hemmt die Influenza A- und B-Virusreplikation und Pathogenität in vivo in Tiermodellen der Influenzainfektion bei antiviralen Expositionen vergleichbar denen, die beim Menschen mit 75 mg zweimal täglich erreicht werden.
Die antivirale Aktivität von Oseltamivir gegenüber Influenza A und B wurde in experimentellen Provokationsstudien an gesunden Freiwilligen bestätigt.
Nebenwirkungen:
- Therapie der Influenza bei Erwachsenen und Jugendlichen:
Insgesamt 2107 Patienten nahmen an Phase-III-Studien zur
Behandlung der Influenza teil. Die am häufigsten berichteten
Nebenwirkungen waren Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen.
Die Mehrzahl dieser Ereignisse trat einmalig entweder am ersten
oder zweiten Behandlungstag auf und verschwand spontan innerhalb
von ein oder zwei Tagen. Alle Ereignisse, über die mit einer
Häufigkeit von mindestens 1%, unabhängig von der Kausalität) bei
Patienten berichtet wurde, die zweimal täglich 75 mg Oseltamivir
erhielten, sind (in Klammern Plazebo):
Erbrechen 8% (3%), Übelkeit 7,9% (5,7%), Diarrhoe 5,5% (8%),
Bauchschmerzen 2,2% (2%), Bronchitis 3,7% (5%), Bronchitis, akute
1% (1%), Schwindel 1,9% (3%), Abgeschlagenheit 0,8% (0,7%),
Kopfschmerzen 1,6% (1,5%), Schlaflosigkeit 1% (1%). - Therapie der Influenza bei älteren Patienten:
Im Allgemeinen war das Verträglichkeitsprofil bei älteren
Patienten vergleichbar mit dem von Erwachsenen im Alter bis zu 65
Jahren: die Inzidenz von Übelkeit war bei den mit Oseltamivir behandelten
Patienten (6,7%) niedriger als bei den Patienten, die Placebo
einnahmen (7,8%), während die Inzidenz von Erbrechen bei
Patienten, die Oseltamivir erhielten, höher war (4,7%) als bei
Patienten, die Placebo erhielten (3,1%).
Das Nebenwirkungsprofil bei Jugendlichen und bei Patienten mit
chronischen kardialen und/oder respiratorischen Erkrankungen war
qualitativ mit dem bei gesunden jungen Erwachsenen vergleichbar. - Prophylaxe der Influenza:
In Prophylaxestudien, in denen die Dosierung von Oseltamivir 75
mg einmal täglich über einen Zeitraum von bis zu sechs Wochen
betrug, wurde im Vergleich zur Placebo-Gruppe über folgende
Nebenwirkungen häufiger bei Personen, die Oseltamivir erhielten,
berichtet (zusätzlich zu den unter Punkt 1 angeführten
Ereignissen):
Schmerzen, Rhinorrhoe, Dyspepsie und Infektionen der oberen
Atemwege. Klinisch relevante Unterschiede im
Verträglichkeitsprofil bei älteren Personen, die Oseltamivir
oder Placebo erhielten, waren im Vergleich zu der jüngeren
Population nicht feststellbar. - Therapie der Influenza bei Kindern:
Insgesamt 1032 Kinder im Alter zwischen einem und 12 Jahren
(davon 695 ansonsten gesunde Kinder zwischen einem und 12 Jahren
und 334 asthmatische Kinder zwischen 6 und 12 Jahren) nahmen an
Phase-III-Studien mit Oseltamivir zur Therapie der Influenza
teil. Insgesamt 515 Kinder erhielten eine Therapie mit
Oseltamivir-Suspension. Nebenwirkungen, die bei mehr als 1% der
Kinder auftraten, sind (in Klammern Plazebo):
Erbrechen 15% (9,3%), Diarrhoe 9,5% (10,6%), Bauchschmerzen 4,7%
(3,9%), Übelkeit 3,3% (4,3%), Otitis media 8,7% (11,2%),
Pneumonie 1,9% (3,3%), Sinusitis 1,7% (2,5%), Bronchitis 1,6%
(2,1%), Asthma (inkl. Verschlechterung) 3,5% (3,7%), Nasenbluten
3,1% (2,5%), Ohrerkrankungen 1,7% (1,2%), Trommelfellerkrankungen
1% (1,2%), Dermatitis 1% (1,9%), Lymphadenopathie 1% (1,5%),
Konjunktivitis 1% (0,4%).
Die am häufigsten berichtete Nebenwirkung war Erbrechen. Andere,
häufiger berichtete Ereignisse bei den mit Oseltamivir
behandelten Kindern waren Bauchschmerzen, Nasenbluten,
Ohrerkrankungen und Konjunktivitis. Diese Ereignisse traten im
Allgemeinen nur einmal auf, verschwan den trotz beibehaltener
Dosierung und führten in der überwiegenden Mehrheit der Fälle
nicht zu einem Abbruch der Therapie.
Im Allgemeinen war das Nebenwirkungsprofil bei Kindern mit Asthma
qualitativ vergleichbar mit dem bei ansonsten gesunden Kindern. - Beobachtet während der klinischen Praxis:
Über folgende Nebenwirkungen wurde während der Anwendung von
Oseltamivir nach der Markteinführung berichtet: Dermatitis,
Ausschlag, Ekzem, Urtikaria, Überempfindlichkeitsreaktionen,
einschliesslich anaphylaktische/anaphylaktoide Reaktionen, sowie
sehr seltene Berichte über schwere Hautreaktionen, inklusive
Stevens-Johnson-Syndrom und Erythema multiforme. Ausserdem gibt
es sehr seltene Berichte von Leberfunktionsstörungen, darunter
Hepatitis und erhöhte Leberenzyme bei Patienten mit
Influenza-ähnlicher Erkrankung.
Indikationen:
- Therapie der Influenza:
Therapie bei Erwachsenen und Kindern ab einem Jahr mit
influenzatypischen Symptomen, wenn das Influenzavirus in der
Bevölkerung auftritt.
Die Wirksamkeit konnte nachgewiesen werden, wenn die Behandlung
innerhalb von zwei Tagen nach erstmaligem Auftreten der Symptome
begonnen wurde. Diese Indikation basiert auf klinischen Studien
an natürlich vorkommender Influenza, bei welcher die
vorherrschende Infektion Influenza A war. - Prophylaxe der Influenza:
Postexpositions-Prophylaxe bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 13
Jahren nach Kontakt mit einem klinisch diagnostizierten
Influenzafall, wenn das Influenzavirus in der Bevölkerung
auftritt.
Hinweise:
- Oseltamivir ist nur gegen Erkrankungen, die durch
Influenzaviren verursacht werden, wirksam. Es gibt keinen Hinweis
darauf, dass Oseltamivir bei durch andere Erreger als
Influenzaviren hervorgerufenen Krankheiten wirksam ist - Oseltamivir ist kein Ersatz für eine Grippeschutzimpfung.
- Die Anwendung von Oseltamivir darf die individuelle Erwägung
einer jährlichen Grippeschutzimpfung nicht beeinflussen. - Der Schutz gegenüber Influenza dauert nur so lange wie
Oseltamivir angewendet wird. - Oseltamivir darf nur dann zur Therapie und Prophylaxe der
Influenza angewendet werden, wenn verlässliche epidemiologische
Daten darauf hindeuten, dass das Influenzavirus in der
Bevölkerung auftritt. - Die angemessene Anwendung von Oseltamivir zur Prophylaxe einer
Influenza sollte von Fall zu Fall auf Basis der Umstände und der
Populationen, welche einen Schutz benötigen, beurteilt werden. In
Ausnahmesituationen (z.B. in Fällen einer Diskrepanz zwischen den
zirkulierenden und den im Impfstoff enthaltenen Virusstämmen, und
einer pandemischen Situation) kann eine saisonale Prophylaxe bei
Erwachsenen und Jugendlichen ab 13 Jahren erwogen werden. - Die Anwendung von antiviralen Arzneimitteln für die Behandlung
und Prophylaxe von Influenza sollte auf der Basis der offiziellen
Empfehlungen entschieden werden, unter Berücksichtigung der
Variabilität in Epidemiologie und Ausmass der Krankheit in
verschiedenen geographischen Gebieten und Patientengruppen.
Kontraindikationen:
- Das Arzneimittel darf nicht angewendet werden bei
Überempfindlichkeit gegen Oseltamivirphosphat oder einem der
sonstigen Bestandteile. - Die Unbedenklichkeit und Wirksamkeit von Oseltamivir zur Therapie
bei Kindern unter einem Jahr sind noch nicht gesichert. - Die Unbedenklichkeit und Wirksamkeit von Oseltamivir zur
Prophylaxe der Influenza bei Kindern unter 12 Jahren sind noch
nicht gesichert. - Es liegen keine Daten hinsichtlich Unbedenklichkeit und
Wirksamkeit von Oseltamivir bei Patienten vor, deren schlechter
oder instabiler Gesundheitszustand eine Krankenhauseinweisung
erforderlich machen könnte. - Die Unbedenklichkeit und Wirksamkeit von Oseltamivir zur Therapie
oder Prophylaxe der Influenza bei immunsupprimierten Patienten
sind noch nicht gesichert. - Die Wirksamkeit von Oseltamivir zur Therapie bei Patienten mit
chronischen kardialen und/oder respiratorischen Erkrankungen ist
noch nicht gesichert. Es wurde kein Unterschied in der Inzidenz
von Komplikationen zwischen Behandlungs- und Placebo-Gruppe in
dieser Population beobachtet.
Schwangerschaft und Stillzeit:
- Es liegen keine ausreichenden Daten für die Anwendung von
Oseltamivir bei Schwangeren vor. Studien an Tieren erbrachten
keine direkten oder indirekten schädigenden Wirkungen in Bezug
auf Schwangerschaft, embryonale/fetale oder postnatale
Entwicklung. - Oseltamivir darf nicht während der Schwangerschaft angewendet
werden, es sei denn, der mögliche Nutzen für die Mutter
rechtfertigt das potenzielle Risiko für den Foetus. - Bei laktierenden Ratten treten Oseltamivir und sein aktiver
Metabolit in die Milch über. Es ist nicht bekannt, ob Oseltamivir
oder sein aktiver Metabolit beim Menschen in die Muttermilch
übertreten. - Oseltamivir darf nur dann während der Stillzeit angewendet
werden, wenn der potenzielle Nutzen für die Mutter das
potenzielle Risiko für den gestillten Säugling überwiegt.
Anwendung und Dosierung:
- Oseltamivir-Kapseln und -Suspension sind bioäquivalente
Darreichungsformen. Dosierungen von 75 mg können entweder in Form
einer 75 mg-Kapsel oder durch Gabe einer 30 mg-Dosis plus einer
45 mg-Dosis der Suspension verabreicht werden. - Erwachsene, Jugendliche oder Kinder (> 40 kg), die nicht in der
Lage sind Kapseln zu schlucken, können entsprechende Dosen von
Oseltamivir-Suspension erhalten.
1. Therapie der Influenza:
Die Therapie sollte so früh wie möglich innerhalb der ersten zwei
Tage nach Auftreten der Symptome einer Influenza begonnen werden.
- Erwachsene und Jugendliche ab 13 Jahren: die empfohlene
orale Dosis beträgt 75 mg Oseltamivir (1 Kapsel) zweimal täglich
über einen Zeitraum von 5 Tagen - Kinder im Alter von 1 bis 12 Jahren:
Für diese Altersgruppe ist Oseltamivir-Suspension zum Einnehmen
erhältlich. Kinder mit einem Körpergewicht > 40 kg: 75 mg (1 Kapsel) zweimal
täglich über 5 Tage. - Kinder < 1 Jahr:
Unbedenklichkeit und Wirksamkeit von Oseltamivir sind noch nicht
gesichert. - Patienten mit Leberinsuffizienz:
Bei Patienten mit Leberfunktionsstörungen ist keine
Dosisanpassung erforderlich. - Patienten mit Niereninsuffizienz:
Eine Dosisanpassung wird bei Erwachsenen mit schwerer
Niereninsuffizienz in Abhängigkeit von der Kreatinin-Clearance
empfohlen:
- > 30 ml/min: 75 mg (1 Kapsel) zweimal täglich
- > 10 bis <= 30 ml/min: 75 mg (1 Kapsel) einmal täglich oder 30
mg (Suspension) zweimal täglich
- <= 10 ml/min: Anwendung nicht empfohlen
- Dialysepatienten: Anwendung nicht empfohlen.
2. Prophylaxe der Influenza:
- Erwachsene und Jugendliche ab 13 Jahren:
Postexpositions-Prophylaxe:
- Die empfohlene Dosis zur Prophylaxe der Influenza nach engem
Kontakt mit einer infizierten Person beträgt 75 mg Oseltamivir (1
Kapsel) einmal täglich über einen Zeitraum von mindestens 7
Tagen.
- Die Behandlung sollte so früh wie möglich innerhalb von zwei
Tagen nach Kontakt mit einer infizierten Person beginnen. - Prophylaxe während einer Influenzaepidemie in der
Bevölkerung:
Die empfohlene Dosis zur Prophylaxe der Influenza während eines
Ausbruchs in der Bevölkerung beträgt 75 mg Oseltamivir (1 Kapsel)
einmal täglich über einen Zeitraum bis zu sechs Wochen. - Kinder bis 12 Jahre:
Unbedenklichkeit und Wirksamkeit von Oseltamivir zur Prophylaxe
der Influenza sind noch nicht gesichert. - Patienten mit Leberinsuffizienz:
Bei Patienten mit Leberfunktionsstörungen ist keine
Dosisanpassung erforderlich. - Erwachsene mit schwerer Niereninsuffizienz:
Eine Dosisanpassung wird in Abhängigkeit von der
Kreatinin-Clearance empfohlen:
- > 30 ml/min: 75 mg (1 Kapsel) einmal täglich
- > 10 bis <= 30 ml/min: 75 mg (1 Kapsel) jeden zweiten Tag oder
30 mg (Suspension) einmal täglich
- <= 10 ml/min: Anwendung nicht empfohlen
- Dialysepatienten: Anwendung nicht empfohlen. - Kinder mit schwerer Niereninsuffizienz:
Zur Unbedenklichkeit und Wirksamkeit von Oseltamivir liegen keine
Daten vor. - Ältere Patienten:
Bei älteren Patienten ist keine Dosisanpassung erforderlich,
ausser es liegt eine schwere Niereninsuffizienz vor.
Hinweise (Wirkstoffdossier)
Hinweise/Vorsichtsmassnahmen bei der Anwendung Oseltamivir ist nur gegen Erkrankungen, die durch Influenzaviren hervorgerufen werden, wirksam. Es gibt keine Hinweise darauf, dass Oseltamivir bei durch andere Erreger als Influenzaviren hervorgerufenen Krankheiten wirksam ist. In klinischen Studien an natürlich vorkommender Influenza (vorherrschend Influenza A) war Oseltamivir nachweisbar wirksam, wenn die Behandlung innerhalb von 48h nach erstmaligem Auftreten der Symptome begonnen wurde. Oseltamivir ist kein Ersatz für eine Grippeschutzimpfung. Seine Anwendung darf die individuelle Erwägung einer jährlichen Grippeschutzimpfung nicht beeinflussen. Der Schutz gegenüber Influenza dauert nur so lange an, wie Oseltamivir angewendet wird. Die Substanz darf nur dann zur Prophylaxe und Therapie der Influenza angewendet werden, wenn verlässliche epidemiologische Daten darauf hindeuten, dass das Influenzavirus in der Bevölkerung auftritt. Die Anwendung für die Therapie und Prophylaxe der Influenza sollte auf Basis der offiziellen Empfehlungen
entschieden werden. Dabei muss die Variabilität in Epidemiologie und Ausmass der Krankheit in verschiedenen geographischen Gebieten und Patientengruppen
berücksichtigt werden. Bei der Influenza-Prophylaxe mit Oseltamivir kann in Ausnahmesituationen (z.B. in Fällen einer Diskrepanz zwischen den zirkulierenden und den im Impfstoff enthaltenen Virusstämmen, und einer pandemischen Situation) eine saisonale Prophylaxe bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 13 Jahren erwogen werden. Eine Postexpositions-Prophylaxe mit Oseltamivir sollte so früh wie möglich, innerhalb von 2d nach Kontakt mit einer infizierten Person begonnen werden. Eine Therapie mit Oseltamivir
sollte so früh wie möglich innerhalb der ersten 2d nach Auftreten der Symptome einer Influenza begonnen werden.
Beeinflussung des Reaktionsvermögens
nein
Ergänzungen-Beeinflussung des Reaktionsvermögens
Oseltamivir hat keinen bekannten Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und
das Bedienen von Maschinen.
Abhängigkeitsrisiko
keine Angabe
Nahrungsmittelinteraktionen:
Die Plasmakonzentrationen von Oseltamivir und Oseltamivircarboxylat werden
durch gleichzeitige Nahrungsaufnahme nicht beeinflusst.


